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Donnerstag, 6. Oktober 2016

Von Hampelmännern und anderen Derby-Geschichten

Der EHC Arosa lässt bei der 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Chur zwei Punkte liegen, die er nie hätte liegen lassen dürfen. Weil die Schanfigger zu viele, hochkarätige Torchancen zur Entscheidung auslassen, sich überflüssige Strafen einhandeln und das Momentum unnötigerweise aus den Händen geben, wird zum Schluss eine Schiedsrichter-Entscheidung zum grossen Ärgernis, die gar keine Relevanz mehr hätte erfahren dürfen.

Nach dem ersten Drittel führt der EHC Arosa im Derby 2:0. Nando Jeyabalan und Olivier Hostettler schiessen die Blaugelben verdientermassen zur Pausenführung, nach dem Arosa fünf erste starke Spielminuten der Churer überstanden hat und nachher deutlich das bessere Team ist.

Gleich zu Beginn des Mittelabschnittes haben die Aroser drei erstklassige Möglichkeiten um auf 3:0 oder gar noch höher zu stellen. Erzielt der EHC Arosa zu diesem Zeitpunkt das Tor, wären die Zeichen sehr stark auf Sieg gestellt gewesen. Der 1:2-Anschlusstreffer der Capricorns kontert Nando Jeyabalan mit seinem zweiten Tor des Abends in Unterzahl und stellt somit den Zweitorevorsprung wieder her. Zum Ende des Drittels regen sich die Gastgeber zu recht sehr enerviert auf. Schiedsrichter Hungerbühler übersieht gleich zweimal hintereinander deutlich zu viele Aroser Spieler auf dem Eis, was Strafen gegen die Bergler hätte absetzen müssen.

Die Churer gehen mit viel Elan in die letzten 20 Minuten, sind aber auf Grund der Schiedsrichter-Entscheide voller negativer Energie. Der EHC Arosa verpasst es davon zu profitieren und die Entscheidung herbeizuführen. Die Mannschaft spielt zu passiv und brockt sich selber überflüssige Strafen ein. Der 2 Minuten-Ausschluss nach einem Ellbogencheck von Daniel Rühl und ein über die Bande spedieren des Pucks von Reto Amstutz bringt die Aroser entscheidend in Engpass. Mit dem 2:3-Anschlusstor im Powerplay kehrt das Momentum und der EHC Chur bekommt die zweite Luft.

Neben ungeschicktem Verhalten kommt dann auch noch Pech dazu. Goalie Andrin Kunz wehrt einen satten Schuss von Andreas Camichel zwar ab, der zurückeilende Fadri Holinger lenkt den auf ihn zufliegenden Puck aber schliesslich ins eigene, verwaiste Tor - 3:3. Statt siegestrunken in die Garderobe zu gehen, haben die Aroser sich das Spiel selbst verschuldet entgleiten lassen und müssen schliesslich in der Verlängerung nachsitzen. In dieser wird Schiedsrichter Pascal Hungerbühler zur Hauptfigur. In einem Churer Powerplay duldet er das hampelmännische Verhalten von Daniel Peer vor Andrin Kunz, so dass schliesslich Pierino Bigliel am abgelenkten und gestörten Aroser Goalie vorbei zum Siegtreffer einschiessen kann.

Die Aroser und ihr zahlreicher Anhang regen sich über das nicht ahnden des offensichtlichen Vergehens auf. Allerdings hätte es nie soweit kommen dürfen. Der EHC Arosa hat es verpasst, einen lange Zeit bescheidenen EHC Chur frühzeitig Schach matt zu setzen. Die Capricorns ihrerseits haben im Schlussdrittel aus einer schwierigen Lage Wege zurück ins Spiel gefunden und dafür gebührt ihnen Respekt.

Der EHC Arosa hat sich gegenüber dem letzten verlorenen Spiel gegen Tabellenführer Frauenfeld deutlich gesteigert und vieles richtig gemacht. Gelingt es der Mannschaft den Leistungstrend beizubehalten, ist sie auf einem guten Weg. Am kommenden Samstag empfängt der EHC Arosa um 20 Uhr bei seinem zweiten Heimspiel der Meisterschaft den EC Wil.

EHC Chur Capricorns - EHC Arosa 4:3 n.V. (0:2, 1:1, 2:0, 1:0)
Hallenstadion Obere Au, Chur, 1'350 Zuschauer, Schiedsrichter Hungerbühler; Frei, Nater

Tore: 7. Jeyabalan (Kessler, Steiner) 0:1, 16. Hostettler (Suter, Cola) 0:2, 26. Naef (J. Däscher) 1:2, 31. Jeyabalan (SH, C. Däscher) 1:3, 40. J. Däscher (PP, Peer, Bigliel) 2:3, 56. Camichel 3:3, 63. Bigliel 4:3.

Strafen Chur: 3x2 Minuten
Strafen Arosa: 7x2 + 1x20 Minuten (unsportliches Verhalten)

EHC Chur Capricorns: Sarkis; Schwab, Morandi, John, Camichel, Arpagaus, Durisch, Raganato, Naef, Holenstein, Bigliel, Bossi, Horber, Sieber, Bucher, Infanger, Gruber, Däscher, Lampert, Hemopo, Peer

EHC Arosa: Kunz; Steiner, Däscher, Holinger, Amstutz, Jeyabalan, Kessler, Agha, Bruderer, Rufer, Cordiano, Weber, Suter, Cola, Hoffmann, Plüss, Klopfer, Rühl, Hostettler, Dimasi

Bemerkungen: EHC Arosa ohne Hagen, Carevic, Guidon, Williamson

1. Liga Ost, 5. Runde:
05.10.16 20:00, EHC CHUR CAPRICORNS - EHC AROSA 4:3 n.V.
05.10.16 20:00, Pikes EHC Oberthurgau - SC Weinfelden 8:0
05.10.16 20:00, EHC Bülach - EHC Uzwil 5:2
05.10.16 20:00, EHC Frauenfeld - EHC Wetzikon 4:2
05.10.16 20:00, EC Wil - EHC Seewen 4:5

1. Liga Ost, Tabelle:
01. EHC Frauenfeld 4/12
02. EHC Bülach 5/12
03. EHC Dübendorf 4/9
04. EHC Wetzikon 4/9
05. Pikes EHC Oberthurgau 5/9
06. EHC AROSA 5/7
07. EHC Chur Capricorns 4/6
08. SC Weinfelden 5/6
09. EHC Seewen 5/5
10. EC Wil 4/0
11. EHC Uzwil 5/0

Der EHC Arosa kurz vor dem 1:0-Führungstor.

Aroser Jubel über das 2:0.

Bully in der Churer Zone.

Blick ins Stadion-Rund kurz vor Ende des zweiten Drittels.