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Sonntag, 22. Januar 2017

Irrsinnig! Als gäbe es kein Morgen

Wie die Aroser, nur 72 Stunden nach der ganz schwachen Leistung im Derby gegen Chur, aufstehen und mit einer  Leidenschaft, die ihresgleichen sucht, zu Werke gehen, verdient höchsten Respekt. Durch den 3:2-Sieg über das Spitzenteam Frauenfeld hat sich der EHC Arosa am EHC Seewen, dem einzig wahren verbliebenen Konkurrenten für die Swiss Regio League, in der Tabelle wieder vorbeigeschoben.

Luka Carevic marschiert Dir entgegen. Nein, er rammt Dich eigentlich, weil er nicht wirklich bemerkt, dass da noch jemand auf dem Trottoir ist. Du denkst: "Was ist denn mit dem los?". Zwei Stunden zuvor Däscher. Christian Däscher. Der sonstige Strahlemann hat bei der Begegnung im Dorf Gesichtszüge, welche sofort gemeldet werden müssten. Und da ist Chris Williamson. Der Schweiz-Kanadier stapft nach Einbruch der Dunkelheit in einer Art durch den Aroser Tiefschnee, was nichts Gutes verheissen will.

Die Aroser wirken nicht nur anders, sie sind es. Und sind es definitiv im Match gegen Frauenfeld. Kein Vergleich zum Auftritt drei Tage zuvor. Die Mannschaft ist komplett verwandelt, die Spieler sind auf den Punkt parat. Dabei sind die Vorzeichen für dieses so wichtige Match alles andere als gut. Neben dem verabreicht bekommenen und noch immer nachhallenden, erlittenen Tiefschlag am Mittwoch, fehlt mit Mathias Hagen krankheitsbedingt ein ganz wichtiger Mann in der Defensive. Zudem droht mit Massimo Cordiano ein weiterer Abwehrminister auszufallen. "Max" kann sich auf Grund einer falschen Bewegung beim Krafttraining am Vorabend im Oberkörperbereich praktisch nicht mehr bewegen. Clubarzt Robert Greuter und EHC Arosa-Sportphysiotherapeut Benjamin Maak erbringen aber Wunder und bekommen Cordiano tatsächlich hin.

Vom ersten Puckweinwurf an jagen die Aroser Scheibe und Gegner. Was ganz erfreulich ist und die Leute begeistert: Die Spieler ziehen das durch - Bis zur Schlusssirene. Als diese ertönt, sind alle fix und foxi. Eben sind zwei Stunden Hockey im Sport- und Kongresszentrum durch und Spieler wie Zuschauer sind gehörig gealtert. Der Alterungsprozess beginnt im Arosa-Lager mit zwei sehr frühen Strafen, die es zu überstehen gilt. Nach acht Minuten bringt Fabian Rufer die Schanfigger in seiner unnachahmlichen Art in Führung. Aber, das 1:0 hält gerade 'mal 32 Sekunden, da gleichen die Thurgauer schon aus. Ärgerlich. Der EHC Arosa ist im ersten Drittel die überlegene Mannschaft und könnte alleine schon auf Grund zweier Pfostenschüsse klar voraus liegen. Mit dem letzten Angriff des EHC Frauenfeld haben die Aroser aber auch riesiges Glück, respektive sie kommen wohl nur dank der unglaublichen Verspieltheit der Gäste um einen zweiten Gegentreffer herum.

Jann Pargätzis erstmaliges Führungstor für die Frauenfelder bedeutet ein heikler Moment für den EHC Arosa. Die Mannschaft aber lässt sich davon nicht beirren und zieht das Tempo weiter an. Wie Nando Jeyabalan in der neutralen Zone einen Puck erobert, die Übersicht behält und den mitlaufenden Danilo Dimasi anspielt, ist stark. Gar überragend ist dann Dimasis Schuss in den "Kranz" - 2:2. Was nun folgt, ist elektrisierend. Der Ausgleich löst beim EHC Arosa alle Knöpfe. Die Zuschauer spüren sofort, dass nun die Aroser Post abgeht. Die Gastgeber drücken gewaltig auf die Tube und erarbeiten sich Chancen um Chancen. Noch aber fällt das angestrebte Tor nicht.

Im dritten Drittel ist Arosas Spiel von Geduld gezeichnet. Schädlers Mannschaft behält trotz viel Jugendlichkeit im Kader die Ruhe, hält das Tempo hoch und nützt schliesslich die Gunst der 55. Minute. Captain Reto Amstutz hat im Überzahlspiel zentral einiges an Platz, läuft auf Torhüter Laux zu und schlenzt die Scheibe in die rechte obere Ecke. Riesiger Jubel auf dem Eisfeld wie auch auf den Zuschauerrampen. Noch aber sind die drei Punkte nicht in trockenen Tüchern. In der Schlussphase wird's für den EHC Arosa nochmals unglaublich brenzlig. Goalie Andrin Kunz, der in der ganzen Begegnung über schon viel Sicherheit ausstrahlt, kann immer wieder klären. Eine Sekunde vor Schluss dürfte aber auch ihm das Herz in die Hosen rutschen. Der Puck schliddert hauchdünn am Aroser Tor vorbei. Und dann ists vorbei. Der EHC Arosa gewinnt verdientermassen das kapitale Spiel gegen den EHC Frauenfeld 3:2. Unbestritten klappt im Match bei weitem nicht alles. Die Mannschaft tritt aber mit einer Leidenschaft auf, dass es eine wahre Freude ist. Sie spielt, als gäbe es kein Morgen.

Durch den Erfolg ist der EHC Arosa auf den fünften Rang, welcher aktuell zur Teilnahme an der Swiss Regio League berechtigt, zurück geklettert. Nun folgen für die Aroser mit den Partien am Mittwoch in Wetzikon und am Samstag in Uzwil zwei Auswärtsbegegnungen. Das nächste Heimspiel steht für den EHC Arosa am Samstag, 4. Februar 2017 (20 Uhr) gegen den EHC Seewen an. Möglicherweise ist es das Finalspiel um die Teilnahme an der Swiss Regio League.




EHC Arosa - EHC Frauenfeld 3:2 (1:1, 1:1, 1:0)
Sport- und Kongresszentrum Arosa, 621 Zuschauer, Schiedsrichter Knecht; Cali, Vendrame

Tore: 8. Rufer (Amstutz) 1:0, 9. Kurzbein (Fehr) 1:1, 32. Pargätzi (Geiser, Schumann) 1:2, 37. Dimasi (Jeyabalan) 2:2, 55. Amstutz (PP, Cola) 3:2

EHC Arosa: Kunz; Dimasi, Carevic, Klopfer, Rühl, Steiner, Hoffmann, Cordiano, Amstutz, Weber, Williamson, Hostettler, Jeyabalan, Cola, Däscher, Kessler, Holinger, Tonndorf, Rufer, Guidon

EHC Frauenfeld: Laux; Kurzbein, Grolimund, Suter, Thaler, Jörg, Rieser, Senn, Geiser, Lattner, Brauchli, Fehr, Schoop, Pargätzi, Cé. Kuhn, Schumann, Pieroni, Cy. Kuhn

Strafen Arosa: 7x2 Minuten
Strafen Frauenfeld: 7x2 Minuten

Bemerkungen: EHC Arosa ohne Agha, Bruderer und Hagen

1. Liga Ost, 30. Runde:
21.01.17 17:00, EHC Seewen - EHC Chur Capricorns 3:4 n.P.
21.01.17 17:00, Pikes EHC Oberthurgau - EHC Dübendorf 1:4
21.01.17 17:30, SC Weinfelden - EHC Bülach 2:11
21.01.17 18:00, EHC Uzwil - EHC Wetzikon 3:7
21.01.17 20:00, EHC AROSA - EHC FRAUENFELD 3:2


1. Liga Ost, Tabelle:
01. EHC Dübendorf 27/68
02. EHC Chur Capricorns 28/59
03. EHC Frauenfeld 28/56
04. EHC Bülach 27/54
05. EHC AROSA 27/49
06 EHC Seewen 27/49
07. EHC Wetzikon 28/48
08. Pikes EHC Oberthurgau 27/41
09. SC Weinfelden 27/15
10. EHC Uzwil 27/6
11. EC Wil 27/5