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Sonntag, 11. März 2018

Abartiges Phänomen: Fata Morgana in Arosa

Ein komplett verpfiffenes Match mit einem komplett frei erfundenen Tor als Supergau ist nur mit Gusti Brösmeli-Witzen die ganze Nacht hindurch zu verdauen. Der EHC Arosa verliert nach 2:0-Führung das zweite Playoff-Finalspiel zu Hause gegen den EHC Wetzikon 2:4.

Ohne Frage: Der EHC Arosa müsste nach dem ersten Drittel statt mit 2:0 mindestens doppelt so hoch in Front liegen. Die Aroser sind dem Gegner in allen Belangen überlegen und spielen tolles Eishockey. Die Mannschaft ist gegenüber dem Donnerstagmatch komplett verwandelt und begeistert das Publikum. Allerdings hat sie auch einen ganz grossen Makel. Das Powerplayspiel ist grauslig und auch Hauptgrund, dass die Schanfigger den EHCW nicht schon nach dem ersten Spielabschnitt erledigt haben. Vielleicht allerdings haben die Aroser mit den Zürcher Oberländern auch Mitleid, weil diese zum Teil völlig unerklärliche Strafminuten kassieren. Der grosse Ärger der Wetziker über die Entscheide ist verständlich.

Kurz vor Spielhälfte dann Entsetzen beim EHC Arosa. Goalie Andrin Kunz bleibt am Pfosten hängen und muss ausgewechselt werden. Noch während das Spiel läuft, erscheint Kunz zurück an der Bande. An Krücken laufend, wird er in der 41. Minute, wie auch die 1'050 Zuschauer im Sport- und Kongresszentrum Arosa, Zeuge eines unglaublichen Phänomens, eines unfassbaren Weltwunders. Auf 1'800 Metern über Meer sind tatsächlich Fata Morganas möglich!

Das kann doch nicht sein - Unmöglich auf dieser Höhe! - Doch! Natürlich, das gibt's! Wow, Arosa ist schon eine wahnsinnig aufregende Gegend. Für Arosa Tourismus ist das neu aufgekommene Naturwunder natürlich das Beste, was passieren kann. Marketingmässig ist das der Lottosechser. Gratis und franko kommt Arosa zu einer ganz neuen Attraktion, das die Touristen in Scharen ins Schanfigg locken wird.

Ja, aber was ist denn überhaupt eine Fata Morgana? Wir schauen im Schlauen Buch von Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track nach und finden folgende Erklärung (in den Klammern Bemerkungen bezüglich Standort Arosa durch den Chronisten):

Eine Fata Morgana oder Luftspiegelung ist ein durch Ablenkung des Lichtes (ist durch den Eismeister mit Zugang zu den Lampen an der Stadiondecke umsetzbar) an unterschiedlich warmen Luftschichten (in einem Stadion durch die vielen Zuschauer mit unterschiedlicher Körpertemperatur möglich) auf dem fermatschen Prinzip (tönt spannend und scheint auch in Arosa anwendbar) basierender optischer Effekt. Der Brechungsindex (diese dimensionslose physikalische Grösse gilt auch in Arosa) heißer Luft ist geringer als jener der kälteren Luft. Lichtstrahlen, die zunächst eine kalte Luftschicht (ist in Arosa vorhanden) durchqueren und anschließend in flachem Winkel (steht man auf dem Eis, ist der Winkel flach) auf wärmere Luftschichten (bei Ansammlung von sportreibenden Personen - in diesem Fall im Slot - kann Luft wärmer werden) stoßen, werden vom optisch dünneren Medium bis hin zu einer Totalreflexion weggebrochen. Dafür ist eine Grenze zwischen heißer und kalter Luft notwendig, das heißt, es muss windstill (bei Zeitpunkt der Aktion war die Türe des Eingangsbereichs zu und daher windstill) sein. Wenn in Wüsten (Arosa eine Wüste? - Ansichtssache) solche Luftschichtungen in größerer Höhe (Arosa ist auf 1'800 M.ü.M.) auftreten, sieht man Spiegelungen am Himmel, die Fata Morgana.

Das führt zur Fata Morgana: Der EHC Wetzikon drückt aufs Aroser Tor. EHC Arosa-Goalie Sven Salis behält aber die Übersicht und blockiert sicher den Puck unter seinem Beinschoner. Die zahlreichen Wetziker Fans direkt dahinter auf der Stehrampe, sind enttäuscht, dass ihre Mannschaft aus der guten Spielsituation nichts Zählbares macht. Auch die EHCW-Spieler bleiben völlig ruhig und bereiten sich wohl schon aufs anstehende Bully in der Offensivzone vor. Der Schiedsrichter ist allerbestens positioniert - nämlich mit Panoramablick auf die Szene direkt hinter dem Tor der Schanfigger. Sofort winkt der Referee zweimal energisch mit der Handbewegung "No Goal" ab. Alles klar. Es geht mit der 2:1-Führung des EHC Arosa weiter.

Nichts ist klar. Respektive, das Match erfährt wenige Augenblicke darauf einen dramatischen Eingriff, wie ihn selbst Promi-Chirurg Prof. Dr. Mang von der Bodenseeklinik, trotz Erfahrung von Tausenden Operationen, ablehnen würde. Jener Linienrichter, der auf Arosas blauer Linie - sprich, mit Ausnahme von Wetzikon-Goalie Neuenschwander, am weitesten von allen entfernt zur Aktion steht, will den Puck klar und deutlich über der Linie gesehen haben und stimmt den Schiedsrichter tatsächlich um. Total ungläubiges Staunen bei allen im Stadion. Die Wetziker getrauen sich zuerst kaum zu jubeln und die Aroser stehen wie eingefroren da. Was um Himmels Willen ist da eben passiert? 

Zwei Minuten später heisst's 2:4. Der EHC Arosa ist ab dem Phänomen "Fata Morgana in Arosa" dermassen geflasht, dass er einbricht. Die Aroser bringen in der Folge nicht mehr wirklich ein Bein vors andere und verlieren das Match. Natürlich: Die Spieler - und auch Trainer sowie der Schreibende - lassen sich viel zu fest von all dem Passierten ablenken und kriegen sich kaum mehr ein. Das kann absolut kritisiert werden und zeigt, dass man beim EHC Arosa noch zu wenig souverän mit solchen Situationen umgeht. Allerdings ist es menschlich, dass solche Fantasie-Entscheide nicht einfach weggesteckt werden können.

Des anwesenden Schiedsrichter-Inspizienten einziger Kommentar bei dieser und weiteren, sehr diskutierbaren Szenen, ist: "Ich hab's nicht gesehen". Schade.

Ein gutes Eishockey-Spiel, das vor toller Kulisse, zu der auch die vielen angereisten Wetziker beitragen, stattfindet, endet im Desaster. Das Desaster ist nicht die Niederlage des EHC Arosa. Die Wetziker verdienen sich den Erfolg. Das Grausame ist, dass dieses Finalmatch für beide Seiten völlig verpfiffen wurde. Aber immerhin hat Arosa ab sofort nun ein neues Naturerlebnis.

Weit hinten ist Wetzikon-Goalie Neuenschwander zu sehen.

EHC Arosa - EHC Wetzikon 2:4 (2:0, 0:1, 0:3)
Sport- und Kongresszentrum, Arosa, 1'050 Zuschauer (Saisonrekord), Schiedsrichter Baumann; Nater, Hollenstein

Tore: 1. Cola 1:0, 8. Bruderer (Roner, Cola) 2:0, 36. Schäppi (Laimbacher, Marzan) 2:1, 41. Eggimann (Butty, Hürlimann) 2:2, 42. Rüedi (Eggimann) 2:3, 43. Butty (Schenk) 2:4

Strafen EHC Arosa: 13x2 Minuten + 1x10 Minuten + 2xSpieldauerdisziplinarstrafe (Trainer Haueter, Hostettler)
Strafen EHC Wetzikon: 11x2 Minuten + 1x10 Minuten

EHC Arosa: Kunz (29. Salis); Agha, Hostettler, Hoffmann, Carevic, Klopfer, Pfosi, Cola, Roner, Bruderer, Bandiera, Bossi, Pfranger, Gruber, Weber, Hollinger, Webster

EHC Wetzikon: Neuenschwander; Trippel, Wittwer, Marzan, Kräutli, Schneider, Zuber, Hofer, Eggimann, G. Rüedi, N. Rüedi, Bucher, Laimbacher, Butty, Buchmüller, Brandi, Hürlimann, Rykart, Schenk, Schäppi

Bemerkungen: EHC Arosa ohne Amstutz, Sprecher und Steiner (alle verletzt), Haueter (Davos-Elite), Dimasi (krank), Gadient (überzählig)

Playoff-Final, 2. Runde (Best-of-five):
EHC Arosa (4.) - EHC Wetzikon (1.) 2:4 (0:2)

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